28.04.2026: SURREXIT CHRISTUS | Gregorianischer Choral und Orgelmusik
Ein neues Kursformat in der Musikakademie Schloss Weikersheim hat sich in diesem Jahr gezielt an junge Musikerinnen und Musiker gewandt, die sich für eine künstlerisch-pädagogische Laufbahn interessieren. Unter dem Titel „Künstlerisch spielen – inspirierend lehren“ entwickelten drei Hochschuldozierende ein Konzept, das musikalische Exzellenz und pädagogische Berufung bewusst zusammenführt. Mit dabei war auch die in Regensburg lehrende Pianistin Prof. Katharina Berrío Quintero, die den Kurs gemeinsam mit der Flötistin Katharina Schröter und dem Klarinettisten Andreas Freitag von der Hochschule für Musik Würzburg leitete.
Die Idee zu diesem Projekt entstand bereits 2023 und konnte nun mit Unterstützung der Jeunesse Musicales Deutschland realisiert werden. Ziel war es, jungen Talenten frühzeitig Einblicke in ein mögliches Studium zu geben und sie für den oft unterschätzten, aber gesellschaftlich wichtigen Beruf der Musikpädagogin oder des Musikpädagogen zu begeistern. Die Leitidee war von Beginn an klar: Künstlerischer Anspruch und pädagogische Berufung sind keine Gegensätze, sondern können sich gegenseitig befruchten – wenn man sie bewusst zusammendenkt.
Die Motivation für das Projekt speist sich aus der langjährigen Lehrerfahrung der drei Hochschuldozierenden – Katharina Schröter (Querflöte), Prof. Katharina Berrío Quintero (Klavier) und Andreas Freitag (Klarinette). Zugleich reagiert der Kurs auf eine aktuelle Entwicklung im Musikschulbereich. Laut der MIKADO-Studie werden bis 2035 rund 14.700 Musikschullehrkräfte in den Ruhestand gehen, während deutlich weniger Absolventinnen und Absolventen nachrücken. Mindestens 500.000 Schülerinnen und Schüler könnten künftig keinen Musikschulunterricht mehr erhalten. Der Bedarf an qualifizierten Musikerinnen und Musikern, die sowohl künstlerisch als auch pädagogisch exzellent ausgebildet sind, wächst damit erheblich. Umso wichtiger erscheint es, junge Talente frühzeitig zu ermutigen – und als Lehrende aktiv auf geeignete Persönlichkeiten zuzugehen und sie in ihrer Entscheidung für diesen Berufsweg zu bestärken.
Der Kurs, ausgeschrieben für die Hauptfächer Klavier, Klarinette und Flöte, verband mehrere Formate: individuellen künstlerischen Einzelunterricht, Hospitationen bei anderen Teilnehmenden sowie thematische Workshops und Beratungsangebote zu Studienwegen und Berufsperspektiven. Die inhaltlichen Leitfragen zogen sich wie ein roter Faden durch die Tage: Was bedeutet künstlerisches Spielen heute? Welche Haltung braucht inspirierende Lehre? Und wie können beide Bereiche einander stärken?
Neben grundsätzlichen Reflexionen standen auch sehr konkrete Themen im Fokus: die Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen, Einblicke in den Studienalltag zweier Studierender der Würzburger Musikhochschule sowie berufliche Perspektiven zwischen Musikschule, Hochschule und freier Szene. Die Auswertung zeigt deutlich, dass viele Teilnehmende den Kurs als Entscheidungshilfe nutzten – sei es zur Klärung eines Studienwunsches oder zur gezielten Vorbereitung auf Prüfungen. Mehrfach wurde der Wunsch nach Prüfungssimulationen, Auftrittstraining sowie mentalem Coaching und Körperarbeit geäußert – ein Hinweis darauf, wie groß das Bedürfnis nach einer ganzheitlichen Vorbereitung ist.
Bemerkenswert war, wie intensiv die Gruppe die angebotenen Impulse aufgriff. Elf von zwölf Befragten gaben an, dass der Kurs ihren Erwartungen entsprach. In den Rückmeldungen zeigen sich nicht nur fachliche Fortschritte („enorm weitergeholfen – am Instrument und in der Studiengangswahl“), sondern vor allem das Erleben einer besonderen Atmosphäre: eine „wunderbare Gemeinschaft“, „keine Dozenten-Schüler-Trennung“ und „so viel lernen in einem entspannten Rahmen“.
Gerade in einem Berufsfeld, das häufig von Konkurrenzdenken geprägt ist, entstand hier ein Raum gegenseitiger Ermutigung. Viele Teilnehmende kamen auf Empfehlung ihrer Lehrkräfte – ein Zeichen für Vertrauen und für das Bedürfnis nach Orientierung. Sie suchten Klarheit, Bestätigung und neue Impulse. Einige unterrichten bereits selbst und wollten ihre pädagogische Haltung reflektieren; andere standen am Beginn ihrer Studienentscheidung. Was sie verband, war die Frage: Kann ich beides sein – Künstlerin oder Künstler und Pädagogin oder Pädagoge – ohne Abstriche?
Die Erfahrung dieser Tage gibt darauf eine klare Antwort: ja. Voraussetzung ist jedoch, dass Ausbildungsstrukturen Räume für künstlerische Entwicklung offenhalten – für Ensemblespiel, Auftrittserfahrung und Persönlichkeitsbildung – und zugleich pädagogische Kompetenz nicht als „zweite Wahl“, sondern als eigenständige künstlerische Aufgabe begreifen.
Für Prof. Berrío Quintero und ihre Kolleginnen und Kollegen hat der Kurs in Weikersheim gezeigt, welches Potenzial im künstlerisch-pädagogischen Nachwuchs steckt. Interesse, Leistungsbereitschaft und Idealismus sind vorhanden. Wenn es gelingt, diese Motivation durch hochwertige Angebote, verlässliche Rahmenbedingungen und strukturelle Wertschätzung zu stärken, kann auch ein solcher Meisterkurs ein Impuls sein für eine Generation, die Musik künstlerisch lebt – und inspirierend weitergibt.